Etwas mehr als 1 Jahr nach dem ersten Feature gibt es endlich eine weitere interessante Story über einen jungen Produzenten aus Österreich!

Subdued (mit bürgerlichem Namen Sandro) überraschte nicht nur mich vor einem Jahr mit seinem Release Tribal Face auf Audiocalligraphy.

dba: Hey Sandro! Schön, dass du Zeit findest mit uns ein wenig zu plaudern.

Serwas, freut mich auch, da ich sowas wie ein Interview noch nie gemacht habe.

dba: Erzähl uns erstmal etwas von dir. Wie alt bist du, wo kommst du her, wo wohnst du, was arbeitest du?

Ich bin 19 Jahre alt und bin lebe seit meiner Geburt in Weiz. "Wo ist Weiz?" werden sich jetzt viele fragen. Steiermark, ca. eine 3/4 Stunde von Graz. Ein ziemlich kleines Kaff mit zirka 10.000 Einwohnern und ein reines Industrie `Dorf´. Ich habe gerade erst vor kurzem meine Lehre als Elektromaschinentechniker abgeschlossen und werde nach meinem Zivildienst auch weiterhin bei meiner bisherigen Firma bleiben.

dba: Weiz ist nicht gerade eine urbane Gegend. Was ist dein musikalischer Hintergrund und wie bist du zum Dubstep Sound gekommen?

Wir hörten in unserem Freundeskreis damals vor zirka 5-6 Jahren alle Drum & Bass, aber richtig angefangen hat alles am Urban Art Forms 2009. Damals noch als begeisterter DJ Fresh, Original Sin und Spor Hörer war es schon ziemlich fett dort und die ganze Szene hat mich echt begeistert. Es lief einfach alles recht smooth ab dort - kein Stress mit Leuten, alle nur wegen der Musik da, etc. Das begeisterte mich und ich hörte mich in die Drum & Bass Szene noch tiefer rein. Mit der Zeit wurden die Tracks die ich hörte immer deeper und basslastiger. Einer dieser Tunes war von S.P.Y. mit dem Titel Xenomorph. Der war für mich damals einer von vielen guten Tunes und ist auch jetzt noch ein ziemlich scharfes Teil. Um neue Tracks zu finden hab ich schon damals oft stundenlang das Netz durchstöbert und bei diesen Suchaktionen kam mir auch hier und da der eine oder andere 140er in die Quere ... und ich war einfach begeistert! Im Gegensatz zu dem ganzen 170er Zeugs ist bei Dubstep halt alles langsamer und `zacher´ :). Von diesem Moment an beschäftigte ich mich mehr und mehr mit der Dubstep Szene, wobei ich auch heute noch immer gerne Drum & Bass höre und manchmal noch DnB produziere.

Sandro aka Subdued

dba: Wie siehst du persönlich die Dubstep Szene in Österreich? Was sind so deine Erfahrungen - gute als auch schlechte?

Klein. Es gibt halt nur vereinzelt Leute, die diese Musik hören, was wiederum den Nachteil hat, dass man nicht leicht zu Gleichgesinnten kommt.

Erfahrung konnte ich in Österreich bis jetzt nur beim Speakers Corner in Wien machen. Und die war nicht schlecht: Coole Location, fettes Soundsystem, ein gutes Konzept, einzig dieser Blättervorhang der vor dem DJ Pult hing war etwas komisch. Erstmal hab ich es nicht ganz verstanden und er verdeckte mir auch die Sicht zum Publikum, andererseits ist es aber eine gute Idee von den Burschen (Meta und Isonoe, Anm.) um klar zu machen, dass es hier nur um die Musik geht. Also Ansichtssache.

Wirklich schlechte Erfahrungen konnte ich nicht machen, aber ich glaube das liegt wohl daran, dass fast nirgends wo was los ist, und dadurch auch fast keine schlechte Erfahrungen machen kann.

dba: Wie und wann bist du dann zum Produzieren gekommen?

Das beantwortet sich ganz leicht: Um eigene Tunes zu machen, und das ganze hat vor zirka 3 Jahren angefangen. ;)

dba: Kannst du uns kurz deinen Workflow beim Produzieren beschreiben. Welche Tools, bzw. welches Setup verwendest du im Studio?

Es ist recht schwer einen wirklich guten Workflow zu erreichen. Da muss bei mir schon alles mitspielen. Ich muss ausgeschlafen sein, muss gut drauf sein, oft ist Stress in der Arbeit schon zu viel um im Studio gut arbeiten zu können. Aber wenn dann alles passt entsteht oft ein Track in einer Nacht. Da sitz ich dann z.B. von 6 am Abend bis 7 in der Früh und arbeite ohne Pause an meiner Idee, die ich verfolge. Fertig ist so ein Track dann noch nicht, aber das Grundkonzept steht. Den nächsten Schritt würde ich als Abschalten bezeichnen, ich muss quasi mal 1 Woche weg von dem Sound um danach mit neutralem Gehör das beurteilen zu können, was ich gemacht habe. Wenn dann alles passt geht es weiter zum Mixdown.

Mein Studio Setup ist nichts Besonders: Logic, Yamaha HSM80, Midi Keyboard und ein paar feine Tools und Synths bei denen ich weis, wie ich sie anwenden muss, und was sie machen. Das Wichtigste an meinem Setup ist aber der standardmäßige Sampler. Ich liebe gesampleten Sound. Samples geben dieser ganzen elektronischen Sache einen realen Sound.

Subdued in the mix

Ich liebe gesampleten Sound. Samples geben dieser ganzen elektronischen Sache einen realen Sound.

dba: 2013, vor fast genau einem Jahr, erschien dein erster digitaler Release (Tribal Face) auf dem Österreichischen Label Audiocalligraphy. Wie hast du den Kontakt zu Roman (Labelboss TinyType) hergestellt und was war die Motivation auf einem Österreichischem Label zu releasen?

Roman hat mir damals auf SoundCloud einen Kommentar auf meinem Remix von J.Robinsons Track `Bushy´ hinterlassen. Daraufhin habe ich mir seine Sachen angehört und da ich gerade an zwei Tribal-lastigen Tunes gearbeitet habe die sehr seinem Sound entprechen, habe ich ihm die beiden Tracks einfach geschickt. Was ich nicht wusste war, dass Roman aka Tiny Type der Label Boss von Audiocalligraphy ist. Romans Antwort auf die Tracks war dann eigentlich zugleich der Startschuss für den Release. Ich habe die Einfachheit genossen, die mit dem Release hier in Österreich verbunden war. Alleine, dass man sich schon mal alles auf Deutsch ausmachen konnte, vereinfachte die ganze Sache sehr. Immerhin war ich komplett neu in diesem Business und Roman hat mir viel beigebracht!

dba: Gab es irgendwelche Reaktionen zum Release?

Die Reaktionen auf den Release waren für mich was ganz Besonderes. Ich hatte Air-plays in Deutschland, UK und in Österreich. Ich bekam private Nachrichten auf Soundcloud in denen unter anderem stand, wie gut mein Release ist und dass ich so weitermachen soll. Diese Dinge überraschten mich dann doch sehr positiv am Anfang. Und zugleich freute ich mich wie ein kleines Kind.

dba: Seit September spielst du auch zweiwöchentlich eine Show auf DBA Radio. Was ist deine Einstellung zu (Internet-)Radio?

Internet Radio ist ja eigentlich nichts Besonderes, um es mit neutralen Worten zu sagen. Großer Vorteil im Gegensatz zu FM-Radio ist der Chatroom, wo man sich über Tracks oder was auch immer austauschen kann. Dennoch spiele ich gerne alle 2 Wochen meine Show. Ich bin fest der Überzeugung das solche Aktionen der Szene in Österreich gut tun und uns allen weiterhilft.

dba: Gerüchten zu Folge arbeitest du gerade an einem neuen Release für Audiocalligraphy. Kannst du dazu schon mehr verraten?

Es wird deep! :) hahahaha

Und ich freue mich schon sehr auf die Reaktionen, da ich meinen Sound jetzt doch 1 ganzes Jahr weiterentwickelt habe und der Kontrast zu Tribal Face doch relativ groß ist.

dba: Gibt es noch weitere Pläne für 2014?

Wenn ich wieder für eine neue Single oder EP bereit bin, dann auf alle Fälle ein zweiter Release. Mehr live Auftritte wären auch fein aber das kann ich leider nicht wirklich steuern, da das von den Promotern abhängig ist.

dba: Ich hoffe doch, dass sich in Zukunft mehr Möglichkeiten dazu ergeben! Auf jeden Fall viel Erfolg und danke fürs Gespräch!

Love and Peace


Und Subdued hat uns dankenswerter Weise einen exklusiven bisher unveröffentlichten Track zu diesem Feature geschenkt. Enjoy!


Credits: Fotos von Hannes Mautner

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